Archiv für März 2009

A

Guten Tag, Freunde der gepflegten Musik.
Im nun folgenden Anflug von Buchstaben, die, zwecks Sinn, zu kompletten Worten geballt wurden, werden sich möglicherweise eine oder mehrere Interpretationen zu einem leider sehr unbekannten Musikstück befinden.
Und da eine Interpretation reine Auslegungssache ist, kann man alles Mögliche in ein Bild, Lied, Gedicht oder sonstigen Dingen, die einem gerade in die Finger kommen, hinein interpretieren. Das ist toll. Aus eigener Erfahrung, die ich mir in zahllosen Selbstexperimenten angeeignet habe, weiß ich, dass man in diversen Bildungsinstitutionen seine verrückten Gedanken meistens noch begründen muss. Aber mit einem Hauch von Fantasie ist das alles kein Problem.
Im Laufe der Zeit findet man dann seinen Drang zur Überinterpretation. Das klingt schlecht, ist es aber nicht. Man muss lediglich die lateinische Übersetzung des Wörtchens „über“ kennen, die da „super“ lautet. Und „super“ wird heute im allgemeinen Sprachgebrauch, als ein Synonym für etwas Großartiges benutzt. Deshalb kann mit einer Überinterpretation nichts schief gehen. Das nennt man übrigens Etymologie. Oder so.
So, kommen wir aber nun zu meinem eigentlichen Anliegen. Ich möchte euch heute den Text oder vielmehr die Aussage des Liedchens „A“ der Berliner Felsmusikkapelle Knorkator näher bringen.
Wer dieses Liedchen und dessen Text noch nicht kennt, sollte es nun schnell ohral zu sich nehmen. Haha Wortwitz. Ich warte jedenfalls so lange.

So. Anscheinend bist du fertig mit dem Anhören dieses Liedguts. Sicherlich wird dir gleich nach dem letzten Takt aufgefallen sein, dass jenem einundsechzig Andere vorausgingen. Das heißt, es handelt sich um einer dieser berühmten und viel diskutierten Zweiundsechzigtakter. Im 4/4-Takt erstaunlicherweise. Das ist wiederum eher selten.
Wirklich interessant wird es allerdings erst, wenn man nun die Gesamtzahl der Viertelschläge im Werk „A“ ausrechnet. Mathematisch Bewanderte gegenwärtige Zeitgenossen kommen durch komplexe und für Laien weniger nachvollziehbare Rechnungen (62×4) auf die Zahl 248. Oh Schreck!
Wenn man nun neben seinen Mathematikkenntnissen auch noch über einen fundierten Geschichtssinn verfügt, wird man mit Erstaunen feststellen, dass es sich bei dieser Zahl, wenn man sie als Jahreszahl betrachtet, um das Jahr mit dem tausendsten (1×103) Jahrestag der Gründung der Stadt Rom handelt.
Kleiner Hinweise für alle Interessierten: Rom wurde von Romulus gegründet. Und um nochmals auf die bereits erwähnte Etymologie zurückzukommen, kann man den Namen einfach sinngemäß ins Deutsche übersetzen. „RO“ ist, wie jeder weiß, das Kennzeichen für den Landkreis Rosenheim in Oberbayern. „Mulus“ ist das lateinische Wort für Maultier. Bei Romulus muss es sich demnach um ein Maultier aus Rosenheim gehandelt haben. Aber ich schweife ab.
Fakt ist, Sakro…Rom war der Ausgangsort des römischen Reiches (klingt logisch), das sich in seiner größten Ausdehnung auf drei Kontinenten erstreckte. Einen offensichtlicheren Fingerzeig auf die Dreifaltigkeit bedarf es nun wohl nicht mehr. Dies steht nicht für einen Schmetterling (wenn es so wäre, könnte ich aber immer noch weiter interpretieren), sondern für die Kirche.
Die katholische Kirche wollte der Komponist sicherlich außen vor lassen, da Anhänger dieser Glaubensrichtung dazu neigen allzu schnell beleidigt zu sein und überhaupt alles viel zu ernst nehmen. Nein, er wollte offensichtlich das Gedankenkonstrukt seiner Hörer auf die evangelische Kirche lenken, die sich als „creatura verbi“ (Kreatur des Wortes) sieht und nicht als bloße Kreatur, die noch von ihren Urinstinkten gelenkt wird. Die Kirche versuchte sich also von den ursprünglichen Wurzeln der Hominisation zu distanzieren, was ihr allerdings nicht gelungen ist. Wie man sieht, kann man diese Kette wieder bis zum Lied „A“ zurückverfolgen, welches einen der ursprünglichsten und häufig aus Instinkt ausgestoßenen Laute beschreibt.
Gleiches gilt für den Staat beziehungsweise für die Zivilisation, verkörpert durch das Römische Reich. Jenes galt seinerzeit als fortschrittlich und als Inbegriff der Zivilisation. Selbst in die heutige Zeit reicht sein Einfluss. Unsere Sprache enthält zahlreiche Lehnwörter aus der lateinischen Sprache (Straße, Frucht, Fenster usw.) und humorvolle Anspielungen auf das alte Rom (CD-Rom). Aber auch hierbei handelt es sich um eine einzige Farce, baut es doch auf ein einziges „A“ auf.

Sowohl Kirche, als auch Staat müssen seit jeher gute Philosophen beschäftigt haben, um unseren geschulten Augen bzw. (in diesem Fall) Ohren und unserer geschärften Erkennungsgabe zu entgehen. Diese Philosophen bekamen viel Geld dafür, um eine Deutung des Buchstaben „A“ bzw. des nach ihm benannten Lauts (Urinstinkt) zu entwickeln. Die Jahre (Zeiteinheitszeichen „a“ für annus…schon wieder Latein) flossen ins Land (Landesfläche kann in „a“ für Ar gemessen werden) bis der Plan [3. Buchstabe (Dreifaltigkeit) ist ein „a“ (steht für „A“ als Laut, Buchstabe, Jahr und Ar)] perfekt war. Mit dem Plan wollte man es sich besonders einfach machen, indem man in der Philosophie das „A“ als Symbol für die Wahrheit einführte. Dadurch konnte man bis zur Veröffentlichung des Liedes „A“ den Ursprung von Kirche, Staat, Zivilisation, Knäckebrot und lateinischen Lehnwörtern sehr gut kaschieren.
Man ging sogar soweit, das Wort „Urinstinkt“ zu zweckentfremden, indem man durch das geschickte Einfügen eines Leerzeichens den Sinn des Wortes in eine – für die Olfactuslogie immerhin wichtige Erkenntnis – transformierte: Urin stinkt.

Darüber hinaus versuchte man durch das in Umlaufbringen von fadenscheinigen Sprichwörtern vom „A“ abzulenken. Das bekannteste Sprichwort ist wohl „Wer A sagt, muss auch B sagen“. Noch vor Knorkator entlarvte Bertholt Brecht dieses Gerücht. Allerdings eher aus Versehen, wie man an seinem Zitat erkennen kann: „Wer A sagt, der muss nicht B sagen. Er kann auch erkennen, dass A falsch war.“ Er macht nicht deutlich, dass „A“ richtig ist, weshalb vermutlich auch ihm der Urinstinkt verborgen geblieben sein muss.

Abschließend möchte ich die Anzahl der A-Phasen im Lied „A“ unter die Lupe nehmen. Der Sänger macht insgesamt viermal vom „A“ Gebrauch. In der griechischen Naturphilosophie stand die Vier für die Elemente (Erde, Feuer, Luft und Wasser). Da im Mittelalter noch alles Irdische ganz übersichtlich aus den vier Elementen bestand, galt die Vier als irdische Zahl. Kirche und Staat erkannten bald, dass hier durch grobe Fahrlässigkeit bald der Urinstinkt des Menschen wieder an das Licht kommen könnte. Schnell musste eine Lösung her, weshalb man 1669 rasch beschloss, Hennig Brand mit der Erfindung des fiktiven Elements Phosphor zu beauftragen. Zahlreiche weitere (fiktive) Elemente wurden in der Folgezeit erfunden und ebneten den Weg für die „Fiktion der Wissenschaft“ (Science Fiction).
Doch warum der Aufwand?
Wenn man Drei (das Göttliche, weil Trinität) und Vier addiert bzw. multipliziert erhält man die beiden für das Christentum wichtigen Zahlen Sieben bzw. Zwölf (bekannt aus der Formulierung „voll auf die Zwölf“). Das kann man als Begegnung Gottes mit der Welt (vier Elemente, Jahreszeiten, Farben beim Mensch-Ärgere-Dich-Nicht und Himmelsrichtungen) auslegen.
Durch diese wirren Rechnungen kam es, dass der 3/4-Takt in der Musik als vollkommen galt (eins und zwei und DREI), wohingegen der 4/4-Takt das Unvollkommene symbolisierte. Also quasi das Ursprüngliche, der stinkende Urin.
Der Komponist von „A“ macht provokativ und explizit vom 4/4-Takt Gebrauch, um die Kulisse, die Kirche und Staat im Laufe der Jahrhunderte aufgebaut haben zu erschüttern oder gar zum Einsturz zu bringen.

Zusammenfassend kann man sagen, dass es Knorkator und dem Komponisten durch ausgefeilte Lyrik und Taktwahl, sowie einer ausgeklügelten Komposition gelungen ist, dieses jahrhundertealte, aber falsche Weltbild aufzudecken. Back to the roots. Wir sind auch nur instinktgetriebene Affen. Punkt.

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Exzentrisches Liveblogging. Teil 2.

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…glücklicherweise völlig unpassend zum heutigen Wetter.
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