Wacken 2011

Seit gut einer Woche ist Wacken 2011 nun Geschichte. Allerhöchste Zeit also endlich einen kleinen Rückblick zu verfassen.
Auf den Weg machten wir uns am Mittwoch Vormittag zu fünft mit zwei Autos. Am späten Vormittag erreichten wir dann endlich die Elbfähre Glückstadt-Wischhafen, wo Wacken eigentlich quasi beginnt, da dort hauptsächlich andere Festivalbesucher auf die Fähre warten. Nach etwa über zwei Stunden Wartezeit konnten wir endlich mit der Fähre übersetzen und unsere Reise nach Wacken fortsetzen. Auch dieses Jahr gab es keine Staus und so wurden wir immer weiter von den Ordnern zum Campingplatz gelotst, wo wir schließlich auf Campground Q landeten. Mit diesem Campingplatz hatten wir ziemliches Glück. Obwohl wir erst um 15 Uhr in Wacken ankamen, brauchten wir von dort aus nur zehn bis fünfzehn Minuten zum Festivalgelände laufen und hatten es trotzdem sehr ruhig, da auf der einen Seite ein Bauernhof unser Nachbar war und sich zur anderen Seite zwei Zeltreihen weiter eine Wiese befand.
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Unsere sächsischen Nachbarn hatten zwar ein Stromaggregat, schalteten diesen aber zum Glück Nachts immer ab und waren ansonsten auch sehr nett. Einige Zeltreihen weiter (aber gerade noch so außerhalb der Schmerzone) hätte ich es wohl kaum einen Tag ausgehalten. Dort beschallte eine Gruppe musikalisch ihre Nachbarschaft mit einer so wahnsinnigen Lautstärke, dass man in den 30 Sekunden mit 15 Metern Abstand, die man brauchte um an diesem Lager vorbeizulaufen schon Kopfschmerzen bekam. Und diese Leute saßen doch tatsächlich direkt vor den Boxen ohne eine Miene zu verziehen. Wenn die nicht taub sind, dann weiß ich auch nicht.
Nachdem wir unsere Zelte und Felix Überzelt seines ehemaligen Vier-Personen-Zelt als Pavillionersatz (welches mir für fünf Personen sogar besser als ein Pavillion gefiel) aufgebaut haben, holte ich mit Julian Wasser. Auf dem Rückweg bereute ich es übrigens den zwanzig Liter-Kanister komplett gefüllt zu haben, aber dafür reichte das Wasser dann für die gesamte Zeit.
Den restlichen Tag vertrieben wir uns hauptsächlich mit Essen (besonders Seba und Julian ;) ). Abends besuchten wir noch Till, Konni und Co., die bereits Montag angereist sind, deshalb im Chaosbereich des Campinggeländes gelandet sind, wo es auch schon dementsprechend aussah. Besonders verrückt schienen deren Nachbarn aus Holland zu sein, die u.a. anfingen sich und anderen rohe Eier zum Fangen zu zuwerfen. Till bekam beim missglückten Fangversuch übrigens eine komplette Ladung Eiweiß und -gelb ins Gesicht. :D Die Zelte konnte man nach Wacken sicherlich auch entsorgen.
Des Weiteren schauten wir uns zum Abschluss des Tages teilweise noch die Metal Battle Teilnehmer Brasilien (Nekrost: machten ganz guten Thrash Metal) und Belgien (Powerstroke: gefiel mir nicht so, da alles gleich klang) auf der W.E.T.-Stage an.

Am Donnerstag sollte es endlich offiziell mit dem Festival losgehen. Erste Band des Tages, die mich interessierte waren bereits um 15:45 Uhr dran. Die Norweger von Kvelertak spielten (leider im Wrestling-Zelt) ihr 45-minütiges Set. Bereits fünf Minuten vor Beginn ertönten die lauten Kvelertak-Rufe. Ich hätte nicht gedacht, dass bei diesem Aufritt die Stimmung bereits so kochen würde, sind Kvelertak doch noch relativ unbekannt. Das Zelt war jedenfalls sehr gut gefüllt, jedoch störte der Boxring in der Mitte des Zeltes etwas, jedoch ließ es sich Sänger Erlend Hjelvik nicht nehmen, mehrmals über den Steg, der Bühne und Boxring verband zu rennen, um durch den Boxring zu toben und zum Schluss auch zu Crowdsurfen. Während des Gigs demontierte der Schlagzeuger noch aus Versehen sein Drumset, indem er sein Crashbeckenständer samt daran montiertem Tom zu Fall brachte. Im Nachinhein betrachtet war dies bereits einer der besten Auftritte auf dem diesjährigen Wacken.
Zurück im Camp stärkten wir uns noch kulinarisch, um uns dann Abends noch die zweite Hälfte vom Helloween-Auftritt anzuschauen und uns schon einmal einen Platz vorne für Blind Guardian zu sichern. Helloween konnten mich nicht wirklich überzeugen, was vermutlich auch daran liegt, dass sie nicht wirklich meinen Geschmack treffen (auch wenn sie schon ein Klassiker sind) und der Sänger zu viel unnützes Zeug geredet hat (dafür hätte man stattdessen anderen Bands mehr Spielzeit geben können).
Der Blind Guardian-Auftritt machte dafür wieder alles wett. Die Stimmung war wirklich super. Vorne starteten wir zum Schluss hin auch noch einen Circle Pit.
Im Anschluss kam es zu meinem Highlight des Tages: Ozzy Osbourne. Bis zum Auftritt befürchtete ich ja die ganze Zeit, dass er seinen Auftritt doch noch spontan absagen würde, wie er es ja mit seinen letzten geplanten Auftritten gerne gemacht hat, aber als er dann doch wirklich die Bühne betrat, war ich überglücklich ihn einmal live erleben zu dürfen. Ich hätte gedacht, dass er einfach sein Setlist runterspielt, aber der Kerl zeigte wirklich Spielfreude und strahlte fast die gesamte Zeit über das ganze Gesicht. Die Kreiszeitung Wesermarsch schrieb zwar, dass der Auftritt angeblich schlecht gewesen sein soll, aber die waren vermutlich auf einem anderen Auftritt als ich. Angeblich hätte Ozzy zu wenig Show gemacht und seine kleinen Trippelschritte gingen gar nicht, aber ich bin der Meinung dass eine große Show nicht wirklich zu einem guten Auftritt nötig ist und diese Schritte gehören halt zu Ozzy. Während seines Auftritts seifte Ozzy noch die vorderen Zuschauerreihen mit seiner Schaumkanone ein. Insgesamt war dies ein sehr guter Auftritt mit alle wichtigen Klassikern wie Mr. Crowley, Crazy Train, Bark At The Moon und natürlich Paranoid.

Am frühen Freitagnachmittag schauten wir uns Ensiferum, die mich nicht mehr wirklich ansprechen, wie sie es früher einmal taten, die letzten paar Lieder von Morbid Angel und die ersten paar Lieder von Sodom an. Bei Sodom wollte ich mal schauen, ob sie mich überzeugen können, da sie ja doch recht populär sind. Die Antwort fiel aber eher negativ aus, weshalb wir auch relativ schnell wieder zurück ins Camp gingen.
Als nächste Band stand Trivium auf dem Plan, von denen ich bisher immer dachte sie würden die selbe Art Plastik-Metalcore wie Sonic Syndicate spielen. Allerdings gefiel mir, das was ich hörte. Mit der Band muss ich mich wohl doch nochmal näher beschäftigen.
Im Anschluss waren Heaven Shall Burn an der Reihe. Dort ging wie gewohnt die Post ab. Die Crowdsurferdichte erreichte dort wohl ihr Maximum und auch der riesige Circle Pit um den FOH ist ja quasi ein Markenzeichen von HSB. Zum Schluss übertrieben es HSB anscheinend (wie ich im Wacken-Forum lesen musste, was man aber aus dem Zuschauerraum nicht wirklich mitbekam) doch etwas, indem sie jedem weiblichen Crowdsufer, der vorne ankommt ein kostenloses HSB-T-Shirt versprachen. Die Menge an Crowdsufern brachte vorne die Security anscheinend in so arge Bedrängnis, dass einige einfach in den Graben fielen. Man hätte vor dem Auftritt auch die Security von dieser geplanten Aktion in Kenntnis setzen können, damit diese mit mehr Leuten zumindest bei dem letzten Lied hätten anwesend sein können. Ich bin mir sicher, dass HSB noch ein ernstes Wort im Anschluss zu Hören bekamen.
Gleich nach HSB waren Judas Priest an der Reihe, die sich derzeit auf Abschiedstour befinden. Der Auftritt war durchweg gut, aber Judas Priest bewiesen sehr gut, dass weniger manchmal mehr ist. Mit deren Bühnenanimationen taten sie sich jedenfalls keinen Gefallen. Diese sahen nämlich teilweise danach als hätte diese jemand fünf Minuten vor dem Auftritt noch eben schnell im Windows Movie Maker gebastelt. Das sich um die eigene Achse drehende Albencover war noch eine wahre Augenweide. Der sich drehende Gitterwürfel mit seinen billigen Reflexionen, erinnerte stark an einen Standard-Windowsbildschirmschoner. Sattdessen hätten Judas Priest einfach das normale Banner die ganze Zeit über im Hintergrund hängen lassen und nicht immer wieder zur Seite ziehen sollen, um die Sicht auf die Leinwand freizugeben.
Nach Judas Priest kam es zu einer für mich ärgerlichen Überschneidung. Triptykon und Kyuss sollten auf die Minute gleichzeitig spielen. Da ich allerdings unbedingt beide sehen wollte, schauten wir die ersten dreißig Minuten Triptykon, deren Doom Metal Tim aber so gar nicht begeistern konnte (Kulturbanause!), und gingen danach für die letzte halbe Stunde zu Kyuss auf der Party Stage rüber.
Im Anschluss ging es mit Airbourne weiter, die ihre solide Standardshow ablieferten: mit dem Kopf geöffnete Bierdosen, Gitarrensolo hoch oben in den Bühnentraversen und jeder Menge australischem Hard Rock.
Bevor wir uns müde in Richtung Campingplatz aufmachten, schauten wir uns noch etwas von Apocalyptica an.
Am letzten Tag machte ich mich bereits rechtzeitig auf den Weg, damit ich mir um 12 Uhr den Auftritt von Moonsorrow anschauen konnte. Die Show war ganz gut, jedoch überzeugen mich die Finnen auf Platte mehr.
Anschließend zurück im Camp bauten wir schnell die Zelte ab, damit wir nachts abreisen können.
Nachmittags ging es mit The Haunted weiter, da mich diese letztes Jahr auf dem Rockharz begeistern konnten. Dieses Jahr fand ich den Auftritt allerdings nur befriedigend. Die nächste Band – Dir En Grey – schauten wir uns an, da Tim sie von jemanden empfohlen bekam. Das war allerdings ein fataler Fehler, da sie wirklich gar nicht unseren Geschmack trafen. So verbrachten wir damit die nächsten 60 Minuten im Schatten eines Getränkestandes zu verbringen, da die Sonne zu dieser Zeit wirklich stark brannte, uns den Schweiß vom Nichtstun auf die Stirn trieb und es sich nicht wirklich lohnte für eine Stunde zurück zum Campingplatz zu laufen. Die Stille nach der Dir En Grey-Show tat jedenfalls sehr gut.
Von dem nachfolgendem Knorkator-Auftritt hätte ich mir mehr erhofft. Die Show versprach lustig zu werden, als Frontmann Stumpen im Morphsuit die Bühne betrat und ein ein Konzert ohne Toastbrot aber mit ganz viel guter Laune versprach. Allerdings spielte die Band zu viel Musik und machten kaum lustige, Knorkator-typische Ansagen. Zum Glück spielten Sie aber das tiefsinnige A und ein neues Lied names “Refräng”, das nur aus Refrains besteht und komplett auf störende Strophen verzichtet. :D
Direkt nach Knorkator ging es mit einem weiteren Highlight weiter: Iced Earth. Die Show sollte die letzte mit Matt Barlow – der Iced Earth-Stimme schlechthin – werden. Deshalb war es auch für mich unbegreiflich, warum sie nur 60 Minuten und bei Tageslicht spielen mussten. Ich bin gespannt wie es nun mit Iced Earth weitergehen wird, da ich mir im Moment noch nicht vorstellen kann, wie Barlows Nachfolger Stuart Block (Sänger von Into Eternity) zur Band passen soll.
Nun ging es für uns schnell wieder zurück ins Camp zum Essen, um dann 90 Minuten nach Iced Earth wieder rechtzeitig vorne bei Avantasia dabei sein zu können. Die Setlist gefiel mir sehr, auch wenn ich vorher schlimme Befürchtungen hatte, die Band würde hauptsächlich Lieder von den beiden neusten Alben spielen, die nicht annähernd so gut wie die beiden Metal Operas und The Scarecrow sind. Was mir bei dem Auftritt negativ auffiel, war die Kameraführung. Wir standen so weit vorne, dass wir nicht auf die Bildschirme angewiesen waren, aber die Kameramänner waren ziemlich Sammet-fixiert. Selbst als dieser gar nicht mehr wirklich auf der Bühne stand, sondern halb hinter der Kulisse stand und etwas trank oder sich mit einem Handtuch den Schweiß vom Gesicht wischte und gerade Jørn Lande oder Michael Kiske sangen, ließen die Kameras nicht von ihm ab und die Zuschauer aus den hinteren Reihen bekamen kaum etwas visuell von den Gastsängern mit. Wie ich im Nachhinein beim Mitschnitt vom ZDF sah, hatten die nicht den selben Schnitt wie die Leinwände auf dem Festivalgelände und wählten die Kameras, die nicht gerade den pausierenden Tobias Sammet zeigten.
Nach Avantasia schauten wir uns noch den Anfang von Danko Jones an. Diese rissen uns leider nicht vom Hocker, da sie wie eine 08/15-Stadtfest-Band klangen, weshalb wir uns wieder in Richtung Camp machten.
Dort bauten wir noch unser Pavillion/Überzelt ab und verstauten die letzten Sachen ins Auto, bevor wir uns auf den Heimweg machten. Ich hätte mir zwar noch gerne Ghost angeschaut und bei der Gelegenheit Motörhead und Children Of Bodom mitgenommen, aber rückblickend betrachtet, war es gar nicht so schlimm schon abzureisen. Motörhead habe ich bereits gesehen, Children Of Bodom interessieren mich nicht mehr so sehr wie früher und Ghost sind eh im Herbst Vorband von In Flames, wo ich vermutlich hingehen werden. Ansonsten bietet sich sicherlich nochmal die Gelegenheit sie live erleben zu können. Schließlich gibt es die ja noch nicht so lange. Abgesehen davon fing es anscheinend bei Motörhead das erste mal am gesamten Wacken-Wochenende an richtig stark zu regnen.
Die Wetterberichte versprachen ja Dauerregen. Zum Glück blieb es tagsüber trocken (nur nachts entleerte sich der Himmel manchmal) und teilweise war es durch den Sonnenschein schon zu warm.
Das Festival war dieses Jahr bandtechnisch wirklich super. Der einzige negative Punkt war meine Luftmatraze, die mich bereits ab der ersten Nacht im Stich ließ. Ich musste diese jedesmal vorm Schlafengehen neu aufpumpen. Bis zum nächsten Morgen blieb noch gerade genug Luft drin, um nicht auf dem harten Boden aufzuwachen…aber auch nur wenn ich genau mittig lag. Am letzten Morgen klappte aber auch das nicht mehr, aber egal. Zum nächsten Festival hol ich mir ein Feldbett.
Ein X-Mas-Ticket für 2012 konnte ich nicht mehr abstauben. Ich habe es zwar geschafft eins in den Warenkorb zu legen, aber die Bestellung konnte ich nicht mehr auslösen. Nach 45 Minuten waren bereits alle ausverkauft, aber noch in der selben Nacht waren die ersten Tickets bei Ebay für 300€ zu haben mit top Artikelbeschreibungen wie: “Ich kann leider nicht zum Festival, daher muss ich mein Ticket leider verkaufen.” Da bekommt man echt das kotzen. Wäre schön, wenn die Tickets in Zukunft mal namengebunden wären. Abgesehen davon: wer kauft sich ein X-Mas-Ticket für 300€ wenn die normalen Tickets die hälfte Kosten? So ein lausiges T-Shirt und die komische Promo-CD rechtfertigen den Preis jedenfalls nicht.
Ob ich nächstes Jahr zum Wacken fahre, entscheide ich noch. Der Preis wurde ja für 2012 auf 160€ ordentlich angehoben. Dafür müssen noch einige sehr gute Bands bestätigt werden. Die bereits bestätigten Scorpions würde ich mir zwar anschauen, sind jetzt aber kein Headliner, der mich vom Hocker reißt. Die anderen Bands, die bis jetzt bestätigt wurden, spielen auch auf den günstigeren, kleineren und gemütlicheren Festivals – außer vielleicht Ministry, die ich allerdings auch nicht höre.
Mir wäre es recht, wenn es auf dem Wacken wieder weniger Kirmessachen wie Wrestling geben würde, das eh hauptsächlich Pfosten anlockt und der Preis dafür genauso “niedrig” bleibt. Das ist aber wohl Wunschdenken.

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