Ein musikalisch ereignisreiches Jahr 2011 geht zu Ende. Nach einhundertdreizehn Neuerscheinungen und zweiundvierzig live gesehenen Bands in diesem Jahr, stehen nun keine weiteren Neuerscheinungen an, die mich interessieren. Höchste Zeit also ein Fazit zu ziehen.
1. Long Distance Calling – Long Distance Calling
Long Distance Calling: die Band von der böse Zungen (Andres) behaupten sie machten Fahrstuhlmusik. Das ist natürlich Quatsch.
Stattdessen handelt es sich um die deutsche Post-Rock Band schlechthin. Trotz zahlreicher Überlängen, was die Songstrukturen angeht, kommt bei mir beim Hören keine Langeweile auf. Eigentlich haben Long Distance Calling aus der Not heraus angefangen instrumentale Musik zu machen, da sie keinen geeigneten Sänger fanden. Allerdings schaffen sie auch ohne Sänger eine Dynamik, die viele Bands nicht annähernd erzeugen. Auf ihrem nunmehr dritten Studioalbum sang jedoch wieder ein prominenter Gastsänger ein Lied ein: nicht wie auf dem Vorgängeralbum Jonas Renkse von Katatonia, sondern John Bush (ex-Anthrax, Armored Saint), der ja schon das Angebot bekam, bei Metallica als Sänger einzusteigen.
2. Amorphis – The Beginning Of Times
Amorphis, die ursprünglich als reine Death Metal Band starteten, legen auch mit ihrem neuen Album The Beginning Of Times ein mehr als starkes Album hin und sind damit einer der momentan besten Progressive Metal Bands der Gegenwart. Klang bisher noch jedes neue Album anders als sein Vorgänger, klingt The Beginning Of Times sehr wie die 2009er Platte Skyforger. Aber das macht nichts, Amorphis scheinen ihren Stil gefunden zu haben.
3. Before The Dawn – Deathstar Rising
Keine Ahnung wie Tuomas Saukkonen es schafft konstant so viel und noch dazu gute Musik zu schreiben. Neben Before The Dawn hat er noch die Bands Dawn Of Solace, The Final Harvest, Black Sun Aeon und Routasielu, wobei er mit den beiden Letzteren ebenfalls dieses Jahr je ein Album auf den Markt brachte. Before The Dawn stehen für ausgezeichneten melodischen Metal. Ich bin jedoch gespannt wie sich diese Band weiterentwickeln wird, nachdem Lars Eikind (Bass und Clean Vocals) ausgestiegen ist, der mit seinem klaren Gesang Before The Dawn so geprägt hat.
4. Nightwish – Imaginaerum
Nightwish liefern auf Imaginaerum natürlich wieder wie gewohnt Bombast pur ab. Das obligatorische Lied in Überlänge (Song Of Myself) kommt allerdings leider nicht ganz an das grandiose The Poet And The Pendulum vom Vorgängeralbum heran. Die Geschichte, die das Album (und nächstes Jahr auch der gleichnamige Film zum Album) erzählt, handelt, typisch für Holopainen, von einem alten Mann, der sich auf seinem Sterbebett an sein Leben, vor allem aber an seine Kindheit erinnert. Stellenweise klingt die Musik stark nach Danny Elfman, was man am letzten Lied des Albums, Imaginaerum, ein orchestrales und instrumentales Medley aller Lieder vom Album, das aller Wahrscheinlichkeit nach für den Filmabspann gedacht ist, heraushören kann. Ich bin jedenfalls sehr auf den Film gespannt und erwarte großes Kino.
5. A Storm Of Light – As The Valley Of Death Becomes Us, Our Silver Memories Fade
Sludge in seiner rohen Form. A Storm Of Light fräsen sich in die Gehörgänge ihrer Zuhörer, ohne dabei unmelodisch zu werden. Für mich eine der persönlichen Neuentdeckungen des Jahres.
6. Sólstafir – Svartir Sandar
Sólstafir, isländisch für “Strahlenbüschel”, machen mal wieder ihren Namen alle Ehre. Mit ihrer Mischung aus Post-Rock, Doom Metal, Shoegaze und Psychedelic Rock erschaffen sie eine Atmosphäre aus Verzweiflung durch die hin und wieder ein Hoffnungsschimmer durchbricht, ähnlich wie eben jene Strahlenbüschel, die durch eine dicke Wolkendecke brechen. War ich anfangs von Sólstafirs neuen Album noch recht enttäuscht, da es für mich nicht an ihr vorheriges Album Köld herankam, entwickelte es sich mit jedem Hördurchgang immer weiter und steht mittlerweile für mich auf einer Ebene mit Köld.
7. Globus – Break From This World
Über fünf Jahre hat es gedauert, bis Globus endlich ihr zweites Album auf den Markt brachten. Hinter Globus verbergen sich Musiker und Produzenten der Kinofilmtrailermusikschmiede (tolles Wort) Immediate Music aus Los Angeles. Immediate Music schreiben für sämtliche Hollywood-Streifen, wie etwa Fluch der Karibik oder Matrix, die Musik für die Kinotrailer. Selber bezeichnen Globus ihre Musik als Cinematic Rock. Im Grunde genommen ist es eine Rockband, die immer mit einem Orchester auftreten, auch wenn ihre Auftritte leider selten sind. Schade eigentlich.
Omega Massif – Karpatia
Schon wieder eine deutsche instrumentale Band. Im Gegensatz zu Long Distance Calling machen Omega Massif allerdings Doom Metal. Ihre Titel haben ausschließlich immer mit Gebirgen zu tun und ähnlich massiv ist auch ihre Musik: sie zerdrückt einen förmlich.
9 . Love.Might.Kill – Brace For Impact
Oft liegt das Gute doch so nah. So ist es auch bei Love.Might.Kill: melodischer Metal aus Nordenham, der Anleihen der klassischen Metal bzw. Hard Rock Bands, wie Judas Priest, Dio, Rainbow u.a. aufweist, aber dennoch erfrischend modern klingt.
10. Septic Flesh – The Great Mass
Und zu guter Letzt, für die Ihsahn-Liebhaber vom letzten Jahr, noch etwas (melodischen) Black Metal. Aber keine Sorge: so “schlimm” ist es nicht. Septic Flesh sind deutlich leichter zugänglich und entfernen sich zum Glück immer weiter vom Black Metal. Ähnlich wie Enslaved (die sich ebenfalls von einer Black Metal Band zu den Pink Floyd des Metals entwickelt haben), blühen Septic Flesh mit jedem Album etwas weiter auf.
Beste Neuentdeckung: dredg
Auf dredg bin ich durch Long Distance Calling gestoßen, die immer wieder betonten, dass dredg einen großen Einfluss auf sie ausübten. Das machte mich neugierig und ich riskierte es, mal rein zuhören. Das Resultat war, dass ich begeistert war, auch wenn dredg in eine vollkommen andere Richtung als Long Distance Calling gehen. Ihr diesjähriges Album Chuckles & Mr. Squeezy war leider etwas enttäuschend, auch wenn das in diesem Fall eher Meckern auf sehr hohem Niveau bedeutet.
Am liebsten gehörte Band: Isis
Die(!) prägendste Post-Metal schlechthin. Ohne Isis würde es diese Genre wohl heute nicht in dieser Form geben (und somit auch nicht The Ocean, was für mich ein Trauerspiel wäre
). Isis Lieder leben durch ihre Laut-Leise-Dynamik, die sich oftmals über mehrere Minuten hin entwickelt. Ich hoffe, dass Isis nicht eine der wenigen Bands sind, die “Schluss” meinen, wenn sie “Schluss” sagen und ich sie irgendwann einmal live erleben darf. Seit ihrer Auflösung Mitte 2010 haben sie leider noch keine Anstalten gemacht, sich wiederzuvereinigen. Aber ich hab Zeit und kann warten.
Das war es von meiner Seite und ich gespannt, was das neue Jahr 2012 musikalisch bereit halten wird. Momentan habe ich noch keinen wirklichen Überblick, was erscheinen wird, bis auf den Nightwish Film, die geplante The Ocean Live-DVD und das neue Gojira-Album.
Der Übersicht halber, nun noch die Auflistung aller weiteren Neuerscheinungen des Jahres, die ich mir angehört habe und sich heute noch in meiner Playlist befanden, was heißt, dass sie alle mindestens gut sind (außer vielleicht Metallica & Lou Reed: was machen die überhaupt eigentlich noch in meiner Playlist?
):
*shels – Plains Of The Purple Buffalo
40 Watt Sun – The Inside Room
A Pale Horse Named Death – And Hell Will Follow Me
Adele – 21
Alice Cooper – Welcome 2 My Nightmare
Amon Amarth – Surtur Rising
Amplifier – Fractal
Anathema – Falling Deeper
And So I Watch You From Afar – Gangs
Animals As Leaders – Weightless
Anthrax – Worship Music
Architects – The Here And Now
Avantasia – The Flying Opera (außerhalb der Wertung, da Live-Album)
Between The Buried And Me – The Parallax: Hypersleep Dialogues (EP)
Björk – Biophilia
The Black Dahlia Murder – Ritual
Black Label Society – The Song Remains Not The Same
Black Sun Aeon – Blacklight Deliverance
Blackfield – Welcome To My DNA
Bohren & Der Club Of Gore – Beileid
Casper – XOXO
Chrome Division – 3rd Round Knockout
City And Colour – Little Hell
Cloudkicker – Let Yourself Be Huge
Cloudkicker – Loop
Communic – The Bottom Deep
Cynic – Carbon Based Anatomy (EP)
D-A-D – Dic.Nii.Lan.Daft.Erd.Ark
The Dear Hunter – The Color Spectrum
Decapitated – Carnival Is Forever
Defeater – Empty Days & Sleepless Nights
Devin Townsend Project – Deconstrution
Devin Townsend Project – DTP-European Tour (außerhalb der Wertung, da kostenloses Live-Album zum Tourauftakt)
Devin Townsend Project – Ghost
Dream Theater – A Dramatic Turn Of Events
dredg – Chuckles And Mr. Squeezy
Earthship – Exit Eden
Eddie Vedder – Ukulele Songs
Edguy – Age Of The Joker
Enslaved – The Sleeping Gods (EP)
Evergrey – Glorious Collision
Explosions In The Sky – Take Care, Take Care, Take Care
Fair To Midland – Arrows & Anchors
Ghost Brigade – Until Fear No Longer Defines Us
Giant Squid – Cenotes
Graveyard – Hisingen Blues
HammerFall – Infected
Hammock – Asleep In The Downlights
Hans Zimmer / Rodrigo y Gabriella – Pirates Of The Caribbean: On Stranger Tides
The Haunted – Unseen
Hypocrisy – Hell Over Sofia – 20 Years of Chaos and Confusion (außerhalb der Wertung, da Live-Album)
Iced Earth – Dystopia
Iced Earth – Festivals Of The Wicked (außerhalb der Wertung, da Live-Album)
Illdisposed – There Is Light (But It’s Not For Me)
In Extremo – Sterneneisen
In Flames – Sounds Of A Playground Fading
Insomnium – One For Sorrow
Jesu – Ascension
Knorkator – Es Werde Nicht
Lenny Kravitz – Black And White America
Lou Reed & Metallica – Lulu
Machine Head – Unto The Locust
The Man-Eating Tree – Harvest
Mastodon – The Hunter
Mastodon – Live At Aragon (außerhalb der Wertung, da Live-Album)
Maybeshewill – I Was Here For A Moment, Then I Was Gone
Megadeth – Th1rt3en
Misfits – The Devil’s Rain
Mogwai – Hardcore Will Never Die, But You Will
Moonsorrow – Varjoina Kuljemme Kuolleiden Maassa
Moving Mountains – Waves
Nickelback – Here And Now
Obscura – Omnivium
Opeth – Heritage
Pain – You Only Live Twice
Pain Of Salvation – Road Salt Two
Paradise Lost – Draconian Times MMXI (außerhalb der Wertung, da Live-Album)
The Pineapple Thief – Little Man
Powerwolf – Blood Of The Saints
Primordial – Redemption At The Puritan’s Hand
Rammstein – Mein Land (außerhalb der Wertung, da Single)
Red Hot Chili Peppers – I’m With You
Routasielu – Pimeys
Russian Circles – Empros
Sigur Rós – Inni (außerhalb der Wertung, da Live-Album)
Skindred – Union Black
Sleepmakeswaves – …And So We Destroyed Everything
Steven Wilson – Grace For Drowning
Subway To Sally – Schwarz In Schwarz
Symphony X – Iconoclast
Tephra – Tempel
TesseracT – One
Textures – Dualism
This Will Destroy You – Tunnel Blanket
Thrice – Major/Minor
Tides From Nebula – Earthshine
Trivium – In Waves
Turisas – Stand Up And Fight
Ulver – Wars From The Roses
Unearth – Darkness In The Light
Vader – Welcome To The Morbid Reich
William Fitzsimmons – Gold In The Shadow
Wolves In The Throne Room – Celestial Lineage
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